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Die Gesellschaft als System

Es sind die unzähligen einzelnen Gruppen und Organisationen einer Gesellschaft, die als emergentes, auftauchendes Ergebnis ihrer Wechselwirkungen und ihres Zusammenwirkens die Gesellschaft erwirken. So wie eine Organisation das Ergebnis des Zusammenwirkens der Menschen und ihrer Ressourcen ist, ist eine Gesellschaft das Resultat des Zusammenwirkens ihrer Organisationen und anderer demografischer Gruppen, die gesellschaftliche Ressourcen für ihre Zwecke einsetzen.

Die primäre Art der Einzelgesellschaft in der Welt heute sind Nation-Staaten. Es gibt aber auch eine Vielzahl von weiteren gesellschaftlichen Gebilden, wie Stämme, Protektoraten, so genannte "failed States" und der gleichen. Identifiziert durch ihre Institutionen, bilden sie die Systemelemente einer Weltgesellschaft, deren Institutionen - Kriegsregeln, Handelsregeln, usw. - nicht sehr genau oder nicht zuverlässig definiert sind.  Diese Institutionen bilden eine weitere Metaebene oberhalb den im Bild gezeigten Gesellschaftsebenen. Für unsere Darstellung einer Organisation und ihrer Steuerung werden wir hier diese Regeln und Rahmenbedingung der Weltgesellschaft nur gefiltert durch den Nationalstaat betrachten, und implizit als laufendes Beispiel, Deutschland.

Wenn wir die Interaktion zwischen einer Organisation, z.B. einem wirtschaftlichen Unternehmen, und einem anderen gesellschaftlichen Element wie "Kunden" analysieren wollen, dann müssen wir diesen Kommunikationsprozess in seinem gesellschaftlichen Rahmen, in seinem Kontext betrachten. Weder das Unternehmen noch die "Kunden" existieren ohne einander, sie existieren als die Elemente des gesellschaftlichen Systems (die Handlungsebene der Gesellschaft). Für diese zwei kommunizierenden Gruppen -" wie für alle anderen - existieren eigene anerkannte Prozesse zum Steuern der Kommunikation (Prozessebene der Gesellschaft) und eigene gesamtgesellschaftliche Regeln, Strukturen und Gesetze (Ordnungsebene der Gesellschaft). Zusammen definieren sie den Rahmen für die Kommunikation der einzelnen gesellschaftlichen Elementen untereinander.

Die Kommunikation läuft eingebettet in die Gesellschaft, weil die Organisationen Elemente des Systems Gesellschaft sind. Das Gesellschaftssystem, der gesellschaftliche Kontext, liefert die gemeinsamen Begriffe und Regeln, ohne die es keine gegenseitig verständliche Kommunikation zwischen Organisationen und Gruppen in der Gesellschaft geben kann. Für ein Unternehmen und seine Kunden gibt es vom Gesetzgeber oder Markt ein riesiges Geflecht von Regeln und Prozessen, die den Preis, die Zahlungsmodultäten, die Qualität, Zuständigkeiten, Pflichte u.v.a.m. regeln.

Diese Regeln und Rahmenbedingungen der Gesellschaft, die die Beziehungen zwischen Gruppen definieren und bewerten sind Institutionen. Die sind die Prinzipien und Werte, die den Austausch zwischen individuellen Rollen regeln. Sie finden ihren Ausdruck durch die Handlungen der Organisationen und Gruppen, die aktiv in der Gesellschaft zu Gange sind, so wie die Ordnungs- und Prozessebene einer Organisation ihre Ausdruck in die Handlungen der einzelnen Personen findet.

So gibt es in der Gesamtgesellschaft die Organisationen und gesellschaftlichen Gruppen als Elemente die Institutionen, die ein Metasystem der Organisationen darstellen. Von dieser Institutionen stammen die Regeln, die Rahmenbedingungen und Rollenzuweisungen, die die verschiedene Organisationen und Gruppen mit ihren spezifischen Kommunikationsformen auf der Handlungsebene gestalten und die Prozesse ermöglichen, die innerhalb und zwischen ihnen ablaufen. Die Institutionen, diese gesamtgesellschaftlichen, organisatorischen Systeme, sind u.a. die Politik, der Markt, die Religion, die Ehe, Vertragsrecht oder Verfassungsrecht. Sie regeln die Handlungen von dem Regierungsapparat, die Gewerkschaften, Verbände, Mediaunternehmen und viele andere Gruppen von Gruppen und Organisationen, die zusammen auf der Systemebene das Gebilde "Deutschland" oder "China" oder "Europa" bilden. Viele dieser Regeln werden als Gesetze von der Organisation Staat implementiert, aber durchaus nicht alle: Sitten, Gebräuche oder gesellschaftliche Normen sind auch Ausdruck von Institutionen.

So wie den einzelnen Menschen in einer Organisation, werden den Organisationen Rollen innerhalb der Institutionen der Gesellschaft zugewiesen oder, andersherum, nehmen sie Rollen an. Die Rollen werden auf der Ordnungsebene der Gesellschaft definiert und mit Gesetzen, Richtlinien, Vorschriften und Empfehlungen von Organisationen wie dem Staatsapparat, Verbänden und vielen anderen Machthabergruppen gesteuert. Wie den einzelnen Menschen in ihren demografischen oder organisierten Gruppen, wird jeder Organisation in dem Gesellschaftssystem auf der Ordnungsebene ein Platz in der Macht- und Kommunikationsstruktur der Gesellschaft zugewiesen oder sie arbeiten daran, ihn zu erringen. Dieser Platz bestimmt, wie die Organisation funktionieren soll und darf und wie sie mit den Anderen kommuniziert.

Die einzelne Organisation ist, wie die einzelne Person, ein „operativ geschlossenes“ System, d.h. ihre Handlungen und Einscheidungsprozesse sind interne Prozesse, die von außen in der Regel nicht sichtbar sind und schon gar nicht unmittelbar beeinflussbar. Als Einzelmitglied der Gesellschaft von Organisationen werden jeder Einzelorganisation aber formelle und informelle Rahmen gesetzt - und von ihr mitgeschaffen - innerhalb derer sie sich bewegen muss, will sie erfolgreich sein und keine Negativsanktionen leiden.

Das Gesellschaftssystem -die Institutionen - ist das Metasystem, ist die Umgebung, in der die einzelnen Personen in ihren Organisationen leben. Es versucht die einzelne Organisation als Elemente mit Regeln und Rahmenbedingung zu steuern, genau so, wie die Organisationen ihrerseits die teilnehmenden Personen als Elemente zu steuern versuchen. So trägt jede Person in sich die durch eine Vielzahl gesellschaftlich Gruppen und Organisationen gefilterten Grundregeln ihrer Gesellschaft.

Umgekehrt ändern die beteiligte Personen durch ihrer Kommunikation und gemeinsames Handeln stets diese gesellschaftliche Gruppen und Organisationen, die ihrerseits die Institutionen ändern. So beeinflüssen die tägliche Handlungen Einzelnen die längerfristig handelnde Organisationen, die dann die sehr langfristig handelnde Institutionen formen.

Durch ihre Interaktionen bilden die Personen das Metasystem Organisation; die Organisationen bilden das System Gesellschaft, verstanden als eine Aggregat von Institutionen. Die Beiden bestehen jeweilig aus Regeln und Rahmenbedingung, die die Aktivitäten der Systemelementen steueren: Die Institutionen steuern die Regelbildungen der Organisationen, die Organisationen steuern die internalisierten Regelbildung der Einzelnen und so die Aktivitäten der Personen. Gleichzeitig formalisieren die Personen in den Organisationen den Regeln mit den sie sich selbst steuern; eine Gruppe von Organisationen, nämlich die Politik, formalisiert die Regeln der Gesellschaft in der Form von Gesetze, unterstützt durch das Machtmonopol.